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Projekt BMW E39 Teil 8: Das Ende.

Fertig. Ende. Schluss. Aus. Vor wenigen Stunden wurde der Kaufvertrag unterschrieben und die „Big Lady“ ist weg. Fort. Verkauft. Bewusst und willentlich.

Du hast dich nicht verlesen, der berühmt-berüchtigte BMW E39 523i hat nun einen neuen Besitzer. Der Abschied war schmerzhafter als gedacht und doch halte ich an meiner Entscheidung fest: Es ist gut so wie es ist. Wie hier im AUTODROM schon zuvor berichtet, habe ich Unmengen an Geld und Zeit in dieses Auto gesteckt. Vieles davon kann man auch als Lehrgeld bezeichnen, doch es war jeden Cent, jede Sekunde und jedes Tröpfchen Schweiß oder Blut wert.

Aus Fehlern sollst du lernen.

Jeder macht seine Anfängerfehler. Als ich mich vor rund vier Jahren dazu entschied, dieses 4,82m lange Ungetüm ernsthaft zu kaufen und langsam „perfekt“ zu machen, hatte ich mit dem Thema Rost keine Erfahrung. In meiner nahezu jugendlichen Naivität dachte ich mir, das eine Rostentfernung das Auto tatsächlich dauerhaft davon befreit. Heute weiß ich, dass dies mein größter Trugschluss war. Rost kommt immer wieder durch, egal was man macht. Es ist möglich, mit Mitteln, die ein „normalsterblicher“ Mensch besitzt, eine rostfreie, solide Basis auch rostfrei zu erhalten und zu konservieren. Dagegen wird es mit normalen und erschwinglichen Mitteln sehr schwer oder gar unmöglich, eine rostende Basis zu entrosten und dauerhaft davor zu schützen.

Vernunft gewinnt doch – zumindest dieses eine Mal.

Als ich vor einigen Monaten den 5er auf der Hebebühne hatte um einfach mal drunter zu schauen, traf mich schier der Schlag: An den hinteren Wagenheber-Aufnahmen, die ich vor zwei-drei Jahren für mehrere Tausend Euro instand setzen ließ, blühte wieder die braune Pest. Zusätzlich fing das Auto an, am obligatorischen „Soll-Rost-Punkt“ zwischen Heckstoßstange und Karosserie unschöne Rostgeschwüre zu bekommen. Natürlich, das Auto hat zum jetzigen Zeitpunkt noch über ein Jahr TÜV und selbst die nächste Hauptuntersuchung würde der Wagen mit ein wenig Arbeit locker packen. Doch noch einmal in das Gleiche investieren, wenn man weiß dass es wiederkommt?

Go big or go home

Ich habe mich dagegen entschieden. Über die Zeit ist aus dem Traum und der Vorstellung Reihensechser & BMW eine echte Liebe für diese Art Autos entstanden. Eine Liebe zum letzten klassischen BMW 5er, die mein ursprüngliches Vorhaben, einen E39 als Youngtimer zu erhalten, ins Oldtimeralter zu begleiten und eines Tages mit einer historischen Zulassung bewegen zu können, nur noch verstärkte. Doch leider wird das mit diesem Auto und mir nichts mehr. Ich mache keine halben Sachen, entweder ganz oder gar nicht. Somit habe ich entschieden, dass es doch besser wäre, wenn ich dieses Auto weggebe. Nicht mit abgelaufenem TÜV und abgemeldet, sondern mit über einem Jahr TÜV und in einem Zustand, mit dem der nächste Besitzer für mindestens drei Jahre seine Freude daran haben kann. Investiert dieser vielleicht sogar ein wenig mehr, könnte die „Big Lady“ es vielleicht sogar in seiner Hand zum Oldtimer schaffen – ich wünsche es mir sehr, für beide. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sie in guten Händen ist – zumindest wusste der neue Halter die Besonderheiten des Wagens zu schätzen.

Der schwerste Abschied aller Zeiten

Ja, ein wenig peinlich war es mir doch, als der neue Besitzer überglücklich strahlend mit dem E39 Touring davonfuhr, aber ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Für ihn beginnt nun ein neues spannendes Abenteuer, meines endet an dieser Stelle.

Die „Big Lady“ war für mich das großartigste Auto, dass ich je hatte. Ein Kindheitstraum, der in Erfüllung ging. Mein BMW, mein Reihensechser, mein Auto. Ruhig und gelassen in den unteren Touren und eine kreischende Drecksau wenn man ihr die Sporen gibt …was für ein grandioses Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst!

Doch es ist nicht nur das Auto als solches, dass mich emotional so berührt, sondern alles drumherum. Alle Autos dieser Welt sind ohne die richtigen Menschen um einen rum nichts wert. Dieser BMW öffnete mir Türen und Tore, brachte mich zu Fremden, die zu Freunden wurden, bescherte mir unvergessliche Erinnerungen und ließ mich über mich selbst hinauswachsen. Mit diesem Auto bin ich mit meiner hochschwangeren Frau mit über 100km/h nachts durch die Reutlinger Innenstadt gebrettert, um wenige Tage später mit unserer Tochter wieder nach Hause fahren zu können – diesmal jedoch mit weniger als 100km/h. Mit diesem Auto besuchte ich mit meiner Frau das erste Mal ein Autotreffen, an dem ich mein Auto stolz mittenrein stellte, statt an den Rand. Mit diesem Auto wurde das AUTODROM erst zu dem was es heute ist. Ich wurde erkannt, angesprochen und bekam eine Reihe liebevoller Emails als Feedback – die ich mit der Zeit alle noch beantworten möchte.

Nun schließe ich dieses Kapitel, starre noch ein wenig die leere Straße an, auf der ich meinen silbernen BMW Touring das letzte Mal sah, atme tief durch und gehe zu meiner leeren Garage, halte inne und schließe das Tor. Was für ein wundervolles Abenteuer das doch war… Auf eine groteske Art wirkt das ganze Geschehen surreal, wie ein Film den man zu Ende geschaut hat und nun wieder zurück zum normalen, echten Leben zurückkehrt. Wache ich morgen auf und finde vor dem Haus wieder Papa’s alten Clio? Habe ich das alles nur geträumt? Nun ja, die Tränen sind echt, die Gefühle sind echt. Leb wohl meine gute alte Dame, ich liebe dich.

Für die Zukunft sehe ich schwarz

Schluss mit dem Projekt E39? Was kommt jetzt? Jeden Morgen geht die Sonne auf und ein neuer Tag beginnt. Mein nächstes Abenteuer wartet schon auf mich. Für die Zukunft, sehe ich schwarz…

Ein Kommentar

  1. Tom Tom

    Hi ich bin auch so ein Bekloppter E 39 Fahrer. Im Gegensatz zu deiner Big Lady habe ich eine Old Lady:-). Die fjordgraumetalligfarbene 523 i Lady hat ein M 52 ohne TU Herz mit Schaltgetriebe und kam 1997 zur Welt. Seit 2005 mit ca. 100.000 km kam sie in meinen Besitz. Tja und heute 15 Jahre später hat sie knapp 402.000 km auf dem Buckel. Wir haben viel gemeinsam durchgemacht, Schnee, Eis, Hitze und Sturm, doch sie hat mich nie im Stich gelassen. Noch immer dreht sie freudig hoch und es macht Spass mit ihr zu fahren. Doch nächstes Jahr wird sich unser Weg leider trennen, der Rost der Rost ist leider zuviel. Bei dem Kilometerstand müßte man für die HU zuviel investieren. Daher habe ich mir nach langer Suche einen der letzten 523 i mit M 52 TU Herz als Automatik in silbermetallic zugelegt. Erstbesitz knapp 170.000 km gelaufen, kein Rost Garagenfahrzeug eines alten Herrn. Ich fahre z.Zt. abwechselnd mit beiden, die alte Lady wird von mir im Winter nochmal richtig genutzt. Was ich dann im Frühjahr mit ihr mache weiss ich nicht. Geld bekomme ich bei dem KM Stand sowieso keines mehr. Für Russland ist sie mir zu schade, das hat dieser treue BMW nicht verdient. Naja mal sehen was wird. Viele Grüße Tom

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